Brand Regensberg  12.11.2011

Berichterstattung von D. Inderbitzin für die Zeitschrift "Swissfire"

 

Grossbrand in Historischem Städtchen Regensberg

Ein Grossbrand in einem 400 Jahre alten Wohnhaus im historischen Städtchen von Regensberg, ausgelöst durch ein fehlerhaftes elektrisches Gerät, verursachte einen gewaltigen Schaden von drei Millionen Franken. Die Hausbewohner wurden durch ihre zwei Hunde geweckt und konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Mit einem Grossaufgebot bekämpften die Feuerwehren von Dielsdorf ,Regensdorf und Altbach den Brand und konnten erfolgreich ein Uebergreifen auf andere Liegenschaften verhindern.

Daniel Inderbitzin, SFZ Korrespondent Kanton ZH

Das 750-jährige Landstädtchen Regensberg liegt auf einem Felssporn der Lägern hoch über Dielsdorf und ist mit seinem markanten Schloss und den nahezu ganz erhaltenen mittelalterlichen Häusern von weither sichtbar. Das Schloss hat über Jahrhunderte seine historische Substanz erhalten können und steht unter Denkmalschutz. Heute beherbergt es ein Heim für Jugendliche mit Lernbehinderungen. Der älteste Teil der Schlossanlage wurde zusammen mit dem Vorburgstädtchen bereits im 13 Jahrhundert erbaut. Bei einem Grossbrand 1540 brannte das Städtchen nieder und musste neu aufgebaut werden. Das Schloss wurde weitgehend verschont. Das Vorburgstädtchen, heute Oberburg genannt, besteht aus zwei Häuserzeilen von ungefähr je zwölf Einheiten, deren rückwärtige Front die Stadtmauer bildet. Ausserhalb der Stadtmauer befinden sich die Wohnhäuser der Unterburg, welche nicht vom Befestigungsgürtel einbezogen wurden.

Das heutige Regensberg zählt 487 Einwohner welche in den grösstenteils unter Denkmalschutz stehenden Gebäude leben. Die Schutzbestimmungen verhindern eine grössere Bautätigkeit , lassen aber eine Anpassung der historischen Bausubstanz an moderne Wohnbedürfnisse zu.

 

Das Brandobjekt und Nadelöhr

 

Beim Brandobjekt handelt es sich um die kurz nach 1540 wieder erbaute Taverne zur Krone welche direkt über dem Stadttor, dem Kronentor liegt. Im Mittelalter diente das zweistöckige, gänzlich in die Stadtmauer integrierte Riegelgebäude als Gemeinde- und Gesellenhaus. Im Zusammenhang mit Bränden scheint die Taverne ein Unglücksort zu sein. Der Grossbrand vor 471 Jahren, am 9. September 1540, brach im damaligen Gesellenhaus aus und breitete sich rasend schnell auf die übrigen, noch mit Schindeln bedeckten Häuser aus. Gelöscht wurde damals, obwohl aussichtslos, mit rohen Mengen Wein da zu wenig Wasser zur Verfügung stand.

Ein weiterer Brand ereignete sich in den 50er Jahren, so dass danach und in den folgenden Jahren die Innenräume weitgehend umgestaltet wurden.

Das unter dem Gebäude durchführende Kronentor ist die einzige Zufahrtsmöglichkeit von der Unterburg Regensberg zur Oberburg und dem Schloss. Die nur 3,17 Meter hohe Durchfahrt ist zugleich ein Nadelöhr für Lieferwagen, die Kehrichtabfuhr und natürlich für die zuständige Feuerwehr Dielsdorf. Mit dem alten Tanklösch- und Pionierfahrzeug war die Durchfahrt knapp möglich doch mit dem 2010 angeschafften Tanklöschfahrzeug mit einer Fahrzeughöhe von 3,35 Metern war dies nicht mehr möglich. Aus diesem Grunde wurde im gleichen Jahr ein 2,73 Meter hohes Ersteinsatzfahrzeug ( EEF ) beschafft, welches über sämtliches Material für den Ersteinsatz und einen 600 Liter Wassertank mit Hochdruckpumpe verfügt angeschafft.

 

Brandausbruch am frühen Morgen

 

In den frühen Morgenstunden, kurz nach 3 Uhr am 12. September 2011, wurden die Bewohner der ehemaligen Taverne Krone durch ihre zwei Hunde geweckt. Im ersten Obergeschoss stellten sie starken Rauch fest und alarmierten umgehend die Feuerwehr. Gleichzeitig weckten sie weitere Anwohner, so dass beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte alle Personen in Sicherheit waren und niemand verletzt war.

Einsatzleiter und Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf Major Daniel Andreoli war um 03.19 Uhr vor Ort. Zu dieser Zeit schlugen die Flammen bereits aus  den oberen Fenstern des Gebäudes und wurden zusätzlich durch den herrschenden Wind noch angefacht. Durch einen sofortigen, mutigen Entscheid wurde die Chance noch genutzt mit dem Ersteinsatzfahrzeug und der Autodrehleiter        ( Niederbaufahrzeug ) das Kronentor unter dem brennenden Gebäude noch zu passieren. Anders wäre es nicht mehr möglich gewesen mit Einsatzfahrzeugen und Geräten innerhalb der Stadtmauer zu kommen um die Löscharbeiten vorzunehmen.

Da sich keine Personen mehr in unmittelbarer Gefahr befanden, war die wichtigste Massnahme das Halten der angebauten Nachbarliegenschaften Oberburg 14 und halten des unversehrten Teils Oberburg 1. Die Löschaktionen wurden durch Atemschutztrupps über die Gebäudezugänge vorgenommen und unterstützt von der in der Oberburg stehenden Autodrehleiter.

Nach wenigen Minuten entschied die Einsatzleitung die Atemschutzs – Trupps aus dem Gebäude zu nehmen, da Einsturzgefahr drohte.

Um die Brandbekämpfung von der vorderen Seite vornehmen zu können und das Dach zu öffnen, wurde um 03.53 Uhr das Hubrettungsfahrzeug der Feuerwehr Regensdorf aufgeboten.

 

Bewährtes Löschwasserkonzept

 

Da schon in der Vergangenheit Probleme bestanden mit der Löschwasserversorgung wurde vor einigen Jahren ein Löschwasserkonzept erstellt, mit einer fest im Boden verlegten Löschwasserleitung von der Unterburg in die Oberburg welche über das Tanklöschfahrzeug von Dielsdorf gespiesen wird. Zusätzlich bestehen Pläne zum Wassertransport vom 2 Kilometer entfernten Schwimmbad Regensberg zum Städtchen.

Rund zwei Stunden nach Brandausbruch wurde ein solcher Wassertransport angeordnet, da die Löschwasserreserven und die noch benötigten Mittel knapp erschienen. Zu diesem Zweck wurde über die Einsatzleitzentrale der Schlauchverleger und die Löschwasserpumpe Typ 4 angefordert. Unterstützt wurde die Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf für diese Material und personalintensive Tätigkeit durch die Feuerwehr Altbach ( Nürensdorf, Brütten ).

Um 04.20 Uhr traf das Hubrettungsfahrzeug der Feuerwehr Regensdorf auf dem Schadensplatz ein und wurde vor dem Kronentor, Seite Unterburg in Stellung gebracht. Mit mehreren Leitungen im Innenangriff und von Aussen über die Drehleiter und den Hubretter, konnte der über den ganzen Dachstock ausgedehnte Brand wirkungsvoll bekämpft werden. Wo das Dach noch nicht offen war wurden diverse Dachöffnungen erstellt, Ziegel abgedeckt, um die heissen Rauchgase abführen zu können. Gezielt konnten nun auch diverse Brandnester bekämpft werden, welche unter dem Schutt noch zahlreich vorhanden waren. Um 06.20 wurde der erste Rapport durch den Einsatzleiter Major Daniel Andreoli geführt. Die Löschmassnahmen zeigten Wirkung und man hatte den Brand soweit unter Kontrolle. Ein Uebergreifen auf die umliegenden Gebäude konnte verhindert werden. Durch den Brandschutt und das Löschwasser bestand für das mittelalterliche Kronentor akute Einsturzgefahr. Sofort wurde die Sicherung der Holzbalkenlage mit Spriesswinden von aufgebotenen Baugeschäften vorgenommen. Bis nicht abgeklärt war, inwieweit die Statik des Gebäudes beeinträchtigt wurde, mussten die Einsatzfahrzeuge welche in der Oberburg standen, dort belassen werden.

Die meisten Einsatzkräfte konnten nun einrücken. Eine Brandwache wurde aber bis zum nächsten Tag organisiert. Beim Abführen des Brandschuttes wurden immer wieder kleinere Glutnester entdeckt und auch für die Sicherungsarbeiten und für das Abpumpen des Löschwassers wurde die Feuerwehr noch benötigt.

 

Millionenschaden

 

Nach Abklärung der Statik konnte die Autodrehleiter der Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf  um 17.30 Uhr auf die andere Seite durch das Kronentor gefahren werden. Auch private Personenwagen konnten so von der Oberburg noch zur Unterburg verschoben werden, bevor mit weiteren Baumitteln die Sicherungsmassnahmen des historischen Gebäudes wieder vorgenommen wurden.

Für die Untersuchung der Brandursache kam der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei Zürich an den Schadensort. Die Ermittlungen ergaben schon sehr schnell, dass ein elektrotechnischer Defekt im ersten Obergeschoss zum Ausbruch des Feuers führte. Der entstandene Schaden wird gemäss bisherigen Erkenntnissen auf über 3 Millionen Franken geschätzt.

Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf

Nassenwilerstrasse 2

8157 Dielsdorf

SCHWEIZ

 

Telefon: 044 853 38 05

Fax:         044 853 21 43

 

www.stuetzpunktfeuerwehr-dielsdorf.ch

 


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